In Alikon im Kanton Aargau halten Lukas und Mathilde Villiger ihre Holstein-Kühe nach einer klaren Philosophie: den Tieren möglichst viel Freiheit lassen, ohne dabei etwas dem Zufall zu überlassen. Eine Arbeitsweise, die heute gleich doppelt ausgezeichnet wurde.
Im Stall der Familie Villiger sind die Tiere nach Alter und Leistung in Gruppen eingeteilt: rund sechzig Milchkühe, davon fünfundfünfzig in Laktation, sowie etwa fünfzig Aufzuchtrinder. Der Stall ist als Laufstall konzipiert. Die Kühe leben zwar in freier Bewegung, werden jedoch je nach Laktationsstadium in zwei Gruppen eingeteilt. Frischlaktierende Kühe, eine besonders sensible Tiergruppe, werden in einer kleineren Gruppe gehalten. So lässt sich ihr Gesundheitszustand genauer beobachten und Stress gezielt reduzieren. Bei den Villigers ist jedes Detail darauf ausgerichtet, den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden – und nicht umgekehrt.
Video, das Anfang September auf unseren Kanälen geteilt wurde
Entscheiden zu zweit – ohne Eile
Eine solche Betriebsphilosophie entsteht nicht von heute auf morgen, sondern hat ihre Wurzeln in einer gemeinsamen Geschichte. Lukas und Mathilde haben sich an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen kennengelernt; er stammt aus dem Kanton Aargau, sie aus dem Kanton Freiburg. Auf dem Hof wechseln sich Deutsch und Französisch ganz selbstverständlich ab.
Aus ihrer Ausbildungszeit haben sie vor allem eines mitgenommen: Alles wird gemeinsam besprochen, nichts wird überstürzt entschieden, und wichtige Schritte werden immer zusammen gefällt.
Ganz nah am Tier
Diese gemeinsame Denkweise zeigt sich bis ins kleinste Detail. Als es im Sommer im Stall zu heiss wurde, entwickelten die Villigers ein eigenes Belüftungssystem: lange orangefarbene Luftschläuche, die den Stall konstant und sanft mit Frischluft versorgen. Denn eine Kuh, die sich wohlfühlt, produziert besser – ihre Milch wird alle zwei Tag vom Hof angeholt und geht in die industrielle Verarbeitung.
Doch bei den Villigers geht es nicht nur um die Milchleistung. Gezüchtet werden Kühe mit einem korrekten Exterieur, die lange in der Herde bleiben können. Hinter jeder Anpaarung steht das Ziel, robuste, funktionelle und langlebige Kuhfamilien aufzubauen. Viermal pro Jahr nehmen sich die Villigers bewusst Zeit, um Anpaarungen zu analysieren und die passenden Stiere für die nächste Generation auszuwählen.
Provence – aus Freiburg in den Aargau
In einer Herde, die man Tier für Tier kennt, gibt es immer einzelne Kühe mit besonderer Bedeutung. Bei den Villigers ist das Clos du Praz Doorman PROVENCE, die zur gleichen Zeit wie Mathilde aus Freiburg auf den Betrieb kam. Zunächst war sie Mathildes Kuh, später wurde sie zur Kuh der ganzen Familie. Heute nimmt sie im Stall einen besonderen Platz ein und taucht in den Gesprächen immer wieder auf.
Zwei Auszeichnungen, eine gemeinsame Geschichte
Die Familie Villiger arbeitet nicht für Titel oder Ehrungen. Dennoch wurden sie in diesem Jahr gleich doppelt ausgezeichnet. Einerseits mit dem Meisterzüchtertitel, der die Qualität einer Herde und die Konstanz einer über Jahre aufgebauten Zuchtarbeit würdigt. Hinzu kommt eine weitere Auszeichnung, die die Familie bereits im vergangenen Jahr erhalten hat: der Preis «Drei Generationen à 100’000 kg», der Familien verliehen wird, bei denen drei Kühe derselben Linie jeweils diese Marke erreicht haben. Zwei Ehrungen, die den Namen Buchackerhof nachhaltig in der Geschichte der Holsteinzucht verankern.